"Doch wenn der Vater den Ratgeber als meinen Stellvertreter schickt – und damit meine ich den Heiligen Geist –, wird er euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." Joh 14,26
Guter Rat ist teuer, lautet ein Sprichwort. Wenn ich etwas als Mutter brauche, dann ist es guten Rat. Wie streng soll ich zum Beispiel mit dem Sprössling sein, dass er seinen Teller zumindest halbwegs leer isst? Weiß ich doch, dass er in 30 Minuten nach dem Abendessen wiederkommt und etwas essen will? Andererseits will ich seine normalen Signale von Hunger und Sättigung auch bestärken und ihn nicht zum Essen zwingen. Und wenn der Dreijährige und sein einjähriger Bruder aneinandergeraten und es Gerangel um ein Spielzeug gibt – wer ist dann dran, es zu bekommen? Ich bezweifle, ob diese ungeschriebene Regel – "Der, der es zuerst hatte, darf damit spielen" – pädagogisch immer Sinn ergibt. Was also tun?
Meine Ratlosigkeit umfassen momentan noch die typischen Kleinkind-Szenarien. Und es sind wohl auch noch eher Situationen der leichteren Art. Die wirklich herausfordernden Situationen gehören unserer familiären Privatsphäre an. Ein anderer kämpft mit der Frage, inwieweit Eltern bei den Hausaufgaben unterstützen müssen oder wie streng man mit der Zimmerordnung der Kinder zu sein hat. Ganz zu schweigen von Fragen zum Thema Medienkonsum, Freundschaften, Hobbys, und viele mehr die nach und nach hervortreten.
Ich finde es tröstlich, mich daran zu erinnern, dass Jesus uns versprochen hat, dass wir nicht alleine sind mit unseren täglichen Belangen. Wie kann das praktisch aussehen?
- Der Heilige Geist kennt mich besser, als ich mich kenne. Er weiß um meine Begrenztheit, entweder zu streng mit meinen Kindern zu sein oder zu nachgiebig. Er weiß, zu welcher Tageszeit ich welchen Impuls brauche. Er kennt meine Stimmungsschwankungen und kann in mir Geduld und beständige Liebe pflanzen, wenn ich gereizt und müde von meinen Kindern bin. Ich erkenne, dass ich es bin, die erstmal geleitet werden muss, bevor ich mein Kind anleite.
- Der Heilige Geist kennt auch mein Kind besser, als ich es kenne. Er sieht tiefer, durchschaut die Motive. Er kennt die sündhaften Veranlagungen und sieht gleichzeitig das göttliche Potenzial, dass der Schoepfer selbst in jedes Kind hineingelegt hat. Er erkennt, ob hinter dem kindlichen Verhalten Bösartigkeit oder Unvermögen steckt? Kann mein Kind gerade nicht anders (weil er müde oder hungrig ist, sich unsicher fühlt, etc.) oder handelt es jetzt aus Egoismus? Übersehe ich gerade etwas, Herr? ist ein Satz, den ich hin und wieder bete, wenn ich nicht weiß, was jetzt dran ist.
- Manchmal spricht der Heilige Geist dann auch durch andere Glaubensgeschwister zu uns, wenn sie uns auf etwas hinweisen, das mein Kind betreffen könnte. Ich darf es dann anhand von Gottes Wort prüfen und mit Jesus besprechen.
Ich finde es manchmal herausfordernd als Mama, auf die Stimme des Geistes zu hören. So viele andere Stimmen prasseln auf mich ein: die Stimme der Kultur, die Meinungen der anderen und natürlich unzählige Stimmen aus dem Internet, die scheinbar auch alle nachvollziehbare Ansätze bieten. Nicht zuletzt ist da meine eigene innere Stimme in Form von Gedanken, Empfindungen und Wünsche rund um meine Kinder.
Die Frage ist also: Bin ich im Alltag offen, auf seine Stimme zu hören? Kenne ich Gottes Stimme? Gerade im Baby- und Kleinkindalter ist es mit der Ruhe ja oft nicht weit her und die ständige Verfügbarkeit macht mir als Mama dann sehr zu schaffen. Gleichzeitig ist es jetzt gerade eine Notwendigkeit, dass wir zuallererst bei Gott Kraft schöpfen, um überhaupt wieder Liebe und Annahme für unser Kind zu empfinden. Im Gebet offenbart Gott mir ja auch schon Dinge, auf die ich selber nicht komme. Lese ich sein Wort und finde Kraft und Ruhe in seiner Gegenwart, sodass ich die Stimme des Heiligen Geistes kennen lerne und auch im Trubel des Alltags vernehmen kann?
Ich lerne es immer mehr, auf die Stimme Gottes, der durch seinen Heiligen Geist zu mir spricht, zu hören. Diese Stimme bewirkt Frieden und Freude. Sie ordnet meine Gedanken, bringt Klarheit, hinterlässt kein Chaos. Das Chaos in meinem Kopf kommt oft eher von all den anderen Stimmen. Gottes Stimme lähmt mich nicht und beschämt weder mich noch mein Kind. Sie spricht immer ermutigend, selbst wenn sie korrigiert. Sie kann mir in konkreten Situation Impulse geben, wie ich in genau dieser Situation reagieren soll, wie ich handeln soll oder was ich jetzt sagen soll zu meinem Kind.
Jedes Kind bringt seine eigenen Herausforderungen in der Erziehung mit sich und der Heilige Geist will mir helfen, genau dieses Kind im Sinne Christi zu erziehen. In diesem Sinne ist "guter Rat nicht unbedingt teuer", sondern manchmal einfach ein (Stoß)gebet weit entfernt.